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Leichen pflastern seinen Weg

 

Il Grande silenzio, 1969

 
Poster zu 'Leichen pflastern seinen Weg' kaufen
deutscher Start:noch nicht erschienen
Herstellungsland:USA
Regie:Sergio Corbucci ("Night Club")
Drehbuch: Sergio Corbucci, Mario Amendola, Vittoriani Petrilli, Bruno Corbucci
Darsteller:Jean-Louis Trintignant, Klaus Kinski, Frank Wolff u.a.
Verleih:

Kinowelt
Genre:

Drama
Länge:100 Minuten
FSK: ab 18 Jahren
Website:

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Inhalt:


Zum Ende des 19.Jahrhunderts knebeln ein lokaler korrupter Friedensrichter und Bankier, sowie eine Bande von sich in der noch lückenhaften und dehnbaren Legalität bewegenden Kopfgeldjägern die Gegend um Snow Hill in Utahs Teil der Rocky Mountains. Die Not ist gross, die Ärmsten der Armen werden zu Outlaws erklärt. Erwerbs und Mittellose werden aufgrund von Nahrungsmitteldiebstählen wie Tiere gejagt und wie Schwerverbrecher für ein Kopfgeld erschossen. Um die Wiederwahl des verantwortlichen Gouverneurs nicht zu gefährden wird in einer halbherzigen Aktion ein ebenso idealistischer, wie naiver, jedoch im Umgang mit Schusswaffen bewanderter Sheriff (Frank Wolff) dorthin entsandt. Die sich bislang gegenseitig profitabel ergänzenden Parteien der Kopfgeldjäger mit ihrem abgefeimten und gnadenlosen Anführer Loco (Klaus Kinski) und des Bankiers und Friedensrichters Pollicut (Luigi Pistilli) sehen ihre Interessen akut gefährdet, so dass eine todbringende Konfrontation unausweichlich sein muss.

Bild 1 zu Leichen pflastern seinen Weg
Pollicut profitiert bereits viele Jahre von der Arbeit der Kopfgeldjäger.

Zudem droht den Jägern weitaus grösseres Unheil als finanzielle Einbussen, durch das Auftauchen des wortkargen Silence (Jean-Louis Trintignant), dem der Ruf eines Rächers der Armen und Ausgestossenen vorauseilt. Wie so oft birgt die Vergangenheit der Hauptfigur den Schlüssel zu ihrer Motivation: Am Anfang war ein Verbrechen gegen Wehrlose, dieses entzündet das Feuer der Rache, welches viel länger brennt, als die Schuldigen es sich vorstellen können und sie irgendwann einholt. Silence tritt als sein eigener und als Anwalt der Armen auf, doch seine Waffe ist nicht das Wort, sondern eine hochmoderne automatische Pistole, die ihn in Verbindung mit seiner Schnelligkeit und Schweigsamkeit so unüberwindbar wie legendär gemacht hat. Doch in dem clever und frei von störenden Gefühlen agierenden Loco scheint er einen ebenbürtigen Gegner gefunden zu haben. Beide versuchen ihre Gegenspieler im Rahmen der Gesetze zu bekämpfen. Silence pflegt solange zu provozieren, bis sein Gegenüber die Beherrschung aufgibt und zuerst zieht. Dabei entfernt er vorzugsweise mit gezielten Schüssen die Daumen seiner Widersacher, womit diese zwar ihr Leben gewonnen, aber die Fähigkeit des Schiessens für immer eingebüsst haben dürften.

Bild 2 zu Leichen pflastern seinen Weg
„...er ist Richter und Henker zugleich.“

Loco versteckt sich hinter dem Gesetz, sein Verbündeter Pollicut hat die Macht und die Mittel zu entscheiden, auf wen ein Kopfgeld ausgesetzt wird und vor der Wahl „Tot oder lebendig“ hat Loco nie gestanden. Keiner derer, die er jemals erwischte brauchte noch eine warme Mahlzeit oder gar eine Gerichtsverhandlung … Silence verbündet sich mit der Witwe eines Opfers Locos, die ihren ermordeten Mann gerächt sehen will und von allen Parteien ob ihres attraktiv exotischen Äußeren begehrt wird. Allein der Begierde anderer ist ihr Mann zum Opfer gefallen und am Ende bekommen die Wenigsten das, was sie sich gewünscht hatten...

Kritik:


Kritik muss dort beginnen, wo der Kunde nicht das bekommt, was ihm zusteht: Das pure Ergebnis der Arbeit von Filmschaffenden. Wahllos wurde in das Produkt eingegriffen, wurden Veränderungen vorgenommen, die Dialoge entschärft und verfremdet, so dass man ohne ausreichende Fremdsprachenkenntnisse nur beschränkten Zugang zu Corbuccis Welt erhält. Die deutsche Synchro beschert uns zwar vertraute Stimmen, jedoch so unzulänglich umgesetzt, dass sich unweigerlich Bezüge zu Werbespots für Kosmetika im deutschen Fernsehen herstellen lassen, asynchron, verfälscht und respektlos. Die Figur Loco heißt ursprünglich Tigrero. Was soll das? Für Asien wurde gar ein komplett anderes Finish zusätzlich abgedreht, welches der Gesamtintention des Werkes Hohn spricht und für das destruktive Potential marketingtechnischer Finessen im Kunstbereich Film steht. Dass „Leichen pflastern seinen Weg“ nichtsdestotrotz einer der bei uns Filmfans beliebtesten und von Kritikern meistumjubelten Filme des Genre Italo-Western geworden ist spricht für die Qualität, die dem Filmfreund hier entgegenschlägt, ein gewaltiger, prägnanter Überlebenskampf, bar von Pathos und Pseudoromantik für die die Anderen, Ford oder Leone stehen. Nein, hier stehen keine Gentlemen vor der Tür der Filmschönheit Schlange und bemühen sich um gutes Benehmen, hier geht es um Macht, Geld und den ersten Schuss. Wer sich für Ideale oder die Liebe entscheidet steht am Ende allein dar, oder ist tot.

Bild 3 zu Leichen pflastern seinen Weg
Die Hinterbliebenen setzen all ihre Hoffnung auf den stummen Racheengel.

Einzig eine ansprechend inszenierte Sexszene der soften Art erinnert an so etwas wie Glück. Zuviel Realismus für Leone, zu ehrlich für Hollywood, dieser Film ist in vielen Beziehungen anders als die Konkurrenz. Unbeholfen versuchen die Gerechten und Idealisten so etwas wie sozialen Frieden zu etablieren, stets auf verlorenem Posten stehend. So erreichen die Drehbuchschreiber die Einbindung einer soziologischen Komponente, ja zeitloser Gesellschaftskritik mit der Darstellung von Ausgrenzung, Rechtsbeugung, politischer Motivationen, sowie der Kälte und dem Zynismus skrupelloser Geschäftemacher. Das ist nur ein Gesichtspunkt unter vielen, der diesen Streifen so einzig macht. Nehmen wir die Ansammlung guter Schauspieler, selten ist eine derartige Ballung von Volltreffern bis in die Nebenrollen erreicht worden. Das amerikanische Prinzip in seiner italienischen Entsprechung: Der beste Mann bekommt den Job. Heute nur noch eine leere Phrase, man gewinnt den Eindruck, es entscheiden ausschließlich der Kosten/Nutzen Faktor, sowie marketingstrategische Interessen über eine Besetzung. Gut, einen Kinski bekommen wir nicht wieder, was will man machen in Zeiten in denen Typen wie Til Schweiger mehr Geld bringen als Originale wie Ralf Richter oder Claude-Oliver Rudolph, das Leben ist eben hart, aber auch ungerecht. So wie dieser Film, der zwar neben anderen, wenigen Abweichlern ohne seine unbestrittene Basis, Hollywood-Wayne, Ford & Company vermutlich nie entstanden wäre, aber glücklicherweise seinen eigenen Weg geht, fernab stramm getrennter Wertungen wie Gut und Böse. Auch „der Gute“ bedient sich fieser Methoden, um sich nach einem Mord als stets in Notwehr handelnder unangreifbar zu machen.

Bild 4 zu Leichen pflastern seinen Weg
Der Tod feiert Ernte, seit die Fremden Einzug in Snow Hill gehalten haben.

Mal ehrlich, wir als alte Karl May geschädigten, vom Winnetou-Virus infizierten Picos, hätten wir als Kinder geglaubt, dass es in Amerika überhaupt jemals schneit? Wenn es in southern California schon nicht regnet? Was bekommen wir bei Corbucci zusehen? Meterhohen Schnee über 100 Minuten, eingefrorene Büchsen, bis zum Verrecken gehetzte Pferde und hungernde Menschen, die diese essen, während grüne Wiesen nur in Silence` Erinnerungen als Rückblende zu erahnen sind. Nach der penetranten Winterlandschaft ist das wie ein kleiner Schock, ebenso wie die Erinnerungen des Schweigsamen selbst. Der Film hält vom Anfang bis zum Ende viel Potential für eine unangenehme Grundstimmung bereit, man wird gezwungen die Augen stier auf dem Geschehen gerichtet zu lassen, während die Summe seiner Teile zu einer düsteren, depressiven Ausstrahlung führen, die der Resignation und Hoffnungslosigkeit Vorschub leisten. Die Wahrheit, der Realismus und die Spannung werden dem Zuschauer ohne jede Rücksicht kompromisslos um die Ohren gehauen. Nicht jedermanns Sache, das. Zurück zur Summe seiner Teile, der Score des Altmeisters Ennio Morricone steigt direkt voll ein und hat hier seine Stärken bei den nervenaufreibenden Jagdszenen. Der Wiedererkennungswert ist erneut enorm, Morricones Kommentar des Bösen zur Grausamkeit der Menschen, hervorragend platziert und enervierend. Das eigentliche, ein wenig Romantik transportierende Titelthema bleibt dagegen eher blass. Sofort fällt die teils klassische, aber auch innovative Kameraführung auf. Wir sehen noch helles, rotes Blut auf weißem Schnee, entgegen dem heutigen Trend, es nachzudunkeln und so zu entschärfen. Spiele mit spiegelnden Fenstern. Der Kontrast der dunklen Silhouette eines durchs Unterholz Flüchtenden, zu dem schneebedeckten Areal in Verbindung mit der Musik gehört zum Besten, was zu der Zeit gedreht worden ist. In diesen und weiteren Szenen erinnert die erzeugte Atmosphäre positiv an Polanskis „The fearless vampire killers“ und die gezeigte Gewalt braucht sich hinter Sam Peckinpah nicht zu verstecken.

Bild 5 zu Leichen pflastern seinen Weg
Wie Ratten in die Enge getrieben: Angst ist der ständige Begleiter der Vogelfreien.

Welch ein Glücksfall für Corbucci, Ausnahmedarsteller wie Trintignant und Kinski bekommen zu haben, beide in der Lage ohne Worte agieren zu können, wobei ein weiterer kleiner Makel auffällig wird: Die Redseligkeit einiger Figuren wirkt doch übertrieben und störend, schließlich ist der Film nicht für elfjährige gedreht worden, denen man Zusammenhänge und Motivation der Figuren erklären muss. Auch federt Wolff als Sheriff extrem zwischen purer Dämlichkeit und messerscharfem Sarkasmus hin und her, bei mindestens vier am Drehbuch beteiligten „Köchen“ musste das jedoch Folgen haben, weniger wäre hier mehr gewesen. Dieser Umstand unterstreicht jedoch wiederum den Duell-Charakter der beiden Hauptfiguren, denen niemand sonst ebenbürtig zu sein vermag. Dem Drehbuch ist der Einfluss Leones fast zeitgleich erschaffenem „C`era una volta il west“ zwar an allen Ecken und Enden anzumerken, doch besitzt der Film ungleich mehr Rasanz, Realismus und ein hohes Mass an Eigenständigkeit um verglichen zu werden. Lediglich ein einziges Leon`sches close up von Kinskis Augenpartie wirkt überflüssig und deplaziert, da Corbucci seine Nahaufnamen bevorzugt auf das gesamte Gesicht richtet. Viele halten ohnehin Corbucci für den besseren der beiden Sergios. Das sei jedem selbst überlassen zu beurteilen, wenn es denn schon sein muss. „Il grande silenzio“ ist jedenfalls nicht der Film, zu dem man seine neue Flamme ins Programm- oder Open Air-Kino schleift und das ist auch gut so. Während Leones Bilderorgie ob ihrer Langwierigkeit und Romantik zum Kuscheln einlädt, präsentiert Corbucci uns einen Quickie, kurz und heftig, wobei beide Abenteuer unauslöschlich im Gedächtnis haften bleiben, was der größte Verdienst und Vorteil einiger weniger Italo-Western gegenüber ihren amerikanischen und italienischen Wurzel- Nachfolge- und Nachahmerwerken ist.

Fazit:


Kultfilm, der diese Bezeichnung verdient. Muss man auch als an Western uninteressierter Filmfreund gesehen haben. Kinski at it`s best. Ungeschnitten, teilrestauriert und mit alternativem Finish, sowie vielsagendem Kinski Interview auf der Kinowelt DVD. Leider nur mit italienischer und deutscher Tonspur, dafür aber sehr preiswert erhältlich.
 

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Userbewertung:

Autor:

Andreas H.

Eingetragen am:

10.07.2006

Aufgerufen:

9216 Mal

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