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 | Herr Wichmann von der CDU |  | | |
Herr Wichmann von der CDU, 2003 | |
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| deutscher Start: | 2003 | | Herstellungsland: | Deutschland | | Regie: | Andreas Dresen ("Sommer vorm Balkon") |
| Drehbuch: |
Andreas Dresen |
| Darsteller: | Keine Schauspieler | | Verleih: | Piffl Medien | | Genre: | Dokumentarfilm | | Länge: | 78 Minuten | | FSK:
| ab 0 Jahren |
| Website: | Link nicht vorhanden | | Günstig DVD, Video, Buch oder Soundtrack zu "Herr Wichmann von der CDU" | 
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Inhalt:
Es fängt an, wie ein Kampf David gegen Goliath. Henryk Wichmann ist 25 Jahre und hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein scheinbar aussichtsloses Ziel zu erreichen. Er möchte, in einem von Arbeitslosigkeit und Abwanderung dominierten Wahlgebiet in der Uckermark, unbedingt die Dominanz der SPD brechen. Diese hatte bei den vorhergehenden Wahlen mehr als 50% der Stimmen erringen können, wohingegen die CDU mit der 20%-Marke zu kämpfen hatte. Was also kommt dabei heraus, wenn man einen jungen, engagierten Noch-Studenten mit schier endloser Selbstsicherheit dabei filmt, wie er auf Stimmenjagd geht. |
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| Kritik:
Andreas Dresen, der auch schon die preisgekrönte Tragikkomödie „halbe Treppe“ inszenierte, geht dabei bewusst defensiv vor. Er führt kein Gespräch mit Herrn Wichmann oder konfrontiert ihn mit speziellen Problemen, vielmehr wartet er ab, er lässt ihm allen Handlungsspielraum und sammelt Bildmaterial, welches und das ist der wahre Verdienst Dresens, gekonnt geschnitten und in Szene gesetzt wird. So sehen wir Wichmann in verschiedenen Situationen, wie er zum Beispiel in der Fußgängerzone Kugelschreiber verteilt, auf denen, wie er extra anmerkt, kein CDU-Logo zu sehen ist, wie er ständig mit dem Wind zu kämpfen hat und er den Passanten sein Programm mit mehr oder weniger aussagekräftigen und tiefgründigen Phrasen schmackhaft macht (auf den Konkurrenten von der SPD bezogen: „Es kann doch nicht reichen, eine große Geburtstagsfeier zu machen und mit dem Fahrrad herum zu fahren.“).
Herr Wichmann legt selbst Hand an, um genügend Stimmen zu sammeln.
Ein großer Faktor, der dabei ans Licht tritt, ist der teils subtile, teils offensichtliche Humor, der mehr oder weniger unfreiwillig durch Herrn Wichmanns Bemerkungen und Aktionen entsteht. Dieser reicht von derb und unpassend (zu einem Mann mit Krücken: „Ich hätte ihnen ja gerne Info-Materialien mitgegeben, aber wie ich sehe, haben sie keine Hand frei“), bis hin zu Slapstickeinlagen und Situationskomik in „Dick und Doof“-Manier, wenn er zum Beispiel vergeblich gegen den Wind kämpft und ihm seine Unterlagen stets wegwehen. Auf der Straße begegnet er dabei Leuten, die die Ausländer als ausschlaggebenden Punkt sehen, dass es in Deutschland vielen Menschen so schlecht geht. Es geschieht, dass er bei einer Wahlkampfveranstaltung vor wenig Publikum, die Verspätung Jürgen Rüttgers sofort für seine Zwecke ausspielt und behauptet, die Autobahnen in Deutschland seien einfach zu schlecht. Zu Hochform läuft der Film dann allerdings erst in diesen unerwarteten Momenten auf, wenn Dresen ihn zu Hause filmt. Seine Freundin will ein bisschen Zuneigung ihn vielleicht ins Bett holen, doch zuvor besteht er darauf Christiansen zu Ende zu sehen. Ein Schnitt. Ein paar Minuten später. Man sieht Wichmann weiterhin fasziniert auf den Bildschirm starren, während seine Freundin neben ihm langsam die Couch runterrutscht und im Begriff ist einzuschlafen ohne auch nur teilweise bemerkt zu werden.
Der direkte Kontakt mit Bürgern ist das A und O beim Stimmenfang.
Eine besonders prägende Szene, die auch mit einem gewissen Tempo- und Sinneswandelwandel des Filmes beziehungsweise des Protagonisten einhergeht, ist wohl die, in der der Regisseur dem jungen CDU-Mitglied ins Altersheim folgt. Hier paart sich jugendlicher Elan mit völliger Ratlosigkeit. Es entsteht ein Kontrast zwischen dem jungen Kandidaten, der ständig mit dem Spruch wirbt: „Frischer Wind bringt Bewegung in die Politik“ und den einsamen alten Menschen, die hier ihr restliches Dasein fristen. Es sind auch diese Momente, die den Film zu etwas Besonderem machen. Es amüsiert einfach ungemein einen Politiker zu sehen, der gerade noch auf der Straße mit lautstarken und überzeugenden Parolen um Wählerstimmen warb und nun hilflos gegenüber den Problemen der Heimbewohner steht. Denn hierfür hat sich Herr Wichmann keine Sprüche parat gelegt, die er einfach „spontan“ vom Stapel lassen könnte.
Jede Stimme zählt!
Dresen möchte den Protagonisten, aber nicht etwa diffamieren oder gar seinem Ruf schaden, er möchte lediglich mit einem gewissen Maß an Realismus die politischen Geschehnisse beleuchten. Auch wenn Wichmann kindlich naiv die Grünen als Schuldige dafür wissen will, dass eine ganze Industrie, sich nicht entwickeln kann, weil sie jedes Stück Grün sofort unter Naturschutz stellen wollen und in einer öffentlichen Debatte einfach dazwischen redet, weil ihm gewisse Argumente der Gegenpartei nicht gefallen. Es wirkt in manchen Teilen, wie ein riesiger Spielplatz, auf dem er sich befindet. Hier ein netter und lustiger Spruch zu einem gewissen Thema, da eine Wahlkampfveranstaltung, dort eine lustige Aktion gemeinsam mit anderen Parteivertretern, aber immer bleibt der enthusiastische Politiker zu sehen, der auch mal kämpfen kann, wenn es hart um hart kommt. Und der alles in allem, zwar manchmal wie ein Bengel wirkt, aber immer zu gewissen Teilen sympathisch und natürlich bleibt. |
| | Fazit: Es ist für den Zuschauer immer ein Spiel mit der eigenen Einstellung. Man tendiert regelrecht dazu, zu glauben, man sehe hier eine vorher geplante und strukturierte Komödie beziehungsweise Satire auf die gesamte Politikwelt. Dieser Film entfaltet sein gesamtes Potenzial aber nur, wenn man sich vor Augen hält, dass Wichmann keinerlei Instruktionen erhielt und es sich hierbei um einen echten Wahlkampf handelt, in welchem er originalgetreu agiert, von Dresen gekonnt eingefangen, exzellent filtriert und das beste zu einer würzigen Satire-Doku zusammen gemixt. Das ist dann aber auch gleichzeitig der größte Kritikpunkt, wenn man mit den derben Sprüchen und teils trottelig wirkenden Einlagen Wichmanns gar nichts anfangen kann und man die Fassade dieses Films, seine beständige Ehrlichkeit zur Politik nicht voll erfasst, bleibt der Sehgenuss zu weiten Teilen auf der Strecke. |
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