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Falscher Bekenner

 

Falscher Bekenner, 2005

 
Poster zu 'Falscher Bekenner' kaufen
deutscher Start:2006
Herstellungsland:Deutschland/Dänemark
Regie:Christoph Hochhäusler ("Milchwald")
Drehbuch: Christoph Hochhäusler
Darsteller:Thomas Dannemann, Matthias Drescher, Walter Gontermann u.a.
Verleih:

Piffl Medien
Genre:

Drama
Länge:90 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Website:

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Inhalt:


Der 18jährige Armin (Constantin von Jascheroff) hat gerade die Mittlere Reife hinter sich und erstickt langsam am Wohlwollen seiner Mutter (Victoria Trauttmansdorff), an den Erwartungen seines Vaters (Manfred Zapatka), an der tödlichen Langeweile des Vorstadtlebens. Er beginnt, wahllos anonyme Bekennerbriefe zu schreiben, zuerst zu einem Unfall, bei dem er Zeuge wurde, dann zu Verbrechen, von denen er liest. Was als Spiel beginnt, wird zur Obsession. Bald reicht es ihm nicht mehr, nur so zu tun, als sei er Schuld...

Kritik:


Um grobe Missverständnisse zu vermeiden: „Falscher Bekenner“ macht es sich nicht zur Aufgabe zu erklären, wie jemand dazu kommt, sich einer Manipulation an einem Auto zu bezichtigen, die er gar nicht vorgenommen hat, oder zu zeigen, wie und warum jemand seinen Nebenbuhler töten will. Dies sind nicht die Hauptaspekte des Films. Es geht in „Falscher Bekenner“ auch nicht um Probleme eines Pubertierenden, die Generationen vor ihm so oder zumindest sehr ähnlich schon erlebt hätten. Das zu denken, wäre absolut falsch. Obwohl ein Teil des alltäglichen Horrors von „Falscher Bekenner“ gerade in jener Mittelreihenhaus-Tristesse begründet liegt, die vielen aus ihrer eigenen Kindheit und Jugend furchtbar vertraut ist. Kameramann Bernhard Keller kostet denn auch den Widerkennungseffekt genüsslich aus. Betont langsame Schwenks durch spießig möblierte Wohnzimmer erfassen stumpfsinnigen Fernsehkonsum und sonntägliches Marmorkuchenessen.

Bild 1 zu Falscher Bekenner
Nur das Kissen hört sein Seufzen.

Aber die Figur des Armin Steeb, die im Mittelpunkt steht, hat so überhaupt nichts Gewöhnliches an sich. Mit Armin zeigt Regisseur und Autor Hochhäusler einen Menschen, der so schräg und unzugänglich ist, der so sehr aus allen Registern fällt, daß das Scheitern jeder Form von normaler Kommunikation in seinem Fall absolut glaubwürdig ist. Als Typus à la Kasper Hauser reflektiert der stammelnde Außenseiter Armin zugleich präzise den Zustand der Gesellschaft um ihn herum. Subtile Unterdrückungsmechanismen, die die Selbstbestimmung des Einzelnen verhindern, werden sichtbar. Hochhäusler gelingt da eine Momentaufnahme der Gegenwart, deren Tiefenschärfe ihresgleichen noch lange suchen wird.

Bild 2 zu Falscher Bekenner
Armin und Katja: Ob die beiden ein Paar werden?

Armins Dasein ist denkbar eintönig. Lustlos tippt er Bewerbungen in seinen Computer, hängt mit den Eltern vor der Glotze, geht mit ihnen spazieren, wobei die Mutter mit ihm schäkert wie mit einem Ersatzehemann. Immer wieder geht Armin zu Vorstellungsgesprächen, die katastrophal zu verlaufen pflegen, weil Armin keinen geraden Satz herausbringt. Das Mädchen, das er gut findet, Katja (Nora von Waldstätten), geht mit einem anderen. Allerdings ist er auch nicht sonderlich charmant zu ihr. Einmal fragt Katja ihn, was er von ihr halte. Seine Antwort: „Wenn ich mir einen runterhole, denk´ ich an dich.“

Bild 3 zu Falscher Bekenner
Katja (Nora von Waldstätten) traut ihrem Gegenüber nicht ganz.

Diese Kränkung ist hart. Wie sich der Schmerz über Armins Bemerkung in Mimik und Gestalt Katjas wiederspiegeln, das füllt das Bild vollständig aus. Armin ist gar nicht mehr zu sehen, denn er ist eigentlich schon gar nicht mehr anwesend. Er hat sich mit seinen Worten in seine private Parallelwelt verabschiedet. Intimität gibt es für Armin nicht im Kontakt mit einem zickigen Durchschnittsmädel, sondern nur im Reich einer bizarren Sexualität, die sich aus einer dumpfen Leidenschaft für Autos, Motorräder und Motoren überhaupt speist. In der Toilette nahe der Autobahn, die Armin in immer kürzeren Abständen aufsucht, darf er sich um das beste Stück des Anführers einer Motorrad-Gang kümmern und wird dafür in den Kreis der Ledermänner-Biker aufgenommen. Wie es zu der Begegnung mit den Rockern kommt, ist unklar. Armin ist auf dem Sofa vor dem Fernseher eingenickt, plötzlich richtet sich auf ihn grelles Scheinwerferlicht, Motorenröhren ist zu hören, und dann ist Armin im Toilettengang inmitten der Motorradfahrer zu sehen. Ein Wunschtraum? Eine peinigende Erinnerung? Daß Hochhäusler die Antwort darauf in der Schwebe läßt, ist seine größte Sympathieerklärung an seinen Anti-Helden. Indem er die Grenze zwischen Realität und Phantasie unterläuft, gibt er seiner Hauptfigur Entfaltungsraum für ein völlig maßloses Fluchtbegehren.

Bild 4 zu Falscher Bekenner
Armin verewigt sich an der Klowand der Autobahntoilette.

Wenn es für einsame Typen wie Armin einen Ankerpunkt in der Realität gibt, dann sind es nicht Menschen, sondern Dinge. Regisseur und Autor Hochhäusler weiß das. Er entwickelt konsequent und eindringlich den stummen ‚Dialog‘, den Armin mit allem führt, was mit Motoren zu tun hat. Gleich in der Eröffnungssequenz geht es damit los. Gezeigt wird die Kurve einer nächtlichen Autobahnauffahrt, die Leitplanke glänzt fahl, man hört den Verkehr. Aus der Tiefe des Bildes taucht ganz langsam eine Gestalt auf, die an der Leitplanke entlang geht. Es ist Armin. Kurz vor der Kameraposition bleibt er stehen. Die Kamera schwenkt mit seinem Blick auf ein Unfallfahrzeug, das noch dampft vom Aufprall an einem Pfeiler. Auf dem Lenkrad liegt der blutige Kopf des toten Fahrers mit weit aufgerissenen Augen. Neben dem Auto liegt ein Metallstück auf dem Asphalt, das in Länge und Form an einen menschlichen Knochen erinnert. Offenbar wurde es beim Aufprall aus dem Motor herausgeschleudert, dessen Eingeweide aus dem Wrack hervorquellen. Dieses Metallteil ist das geschickt platzierte und ökonomisch verwendete sprechende Detail, daß das ganze weitere Geschehen bestimmen wird. Denn Armin hebt das Metallteil auf und nimmt es mit nach Hause. Zunächst weiß er damit nichts anzufangen. Aber er nimmt es so lange in die Hand, bis es sozusagen ‚zu ihm spricht‘. Es ist eine Art ‚Buddy‘, ein Partner. Es gibt ihm die Eingebung zu seinem ersten anonymen Brief als falscher Bekenner, in dem er sich bezichtigt, am verunglückten Auto eine Manipulation vorgenommen zu haben. So nimmt mit dem knochenartigen Metallstück Armins Karriere als „Falscher Bekenner“ ihren Anfang.

Bild 5 zu Falscher Bekenner
So richtig leiden kann Armin eigentlich niemanden.

Was mit Armin los ist, reizt zum Lachen, das im Halse stecken bleibt. Was jedoch mit den anderen Menschen los ist, jagt einem kalte Schauer über den Rücken. Das gilt insbesondere für die unterirdischen Bewerbungsgespräche, die Armin über sich ergehen läßt. Mal soll er sagen, was ihm zu Fotografien von aufmarschierenden Nazis oder von Palmenstränden unter südlicher Sonne einfällt. Mal soll er doch einmal kurz beschreiben, was für ein Mensch er sei. Grotesker Höhepunkt: Die Lehrstellenbewerber stellen sich gegenseitig diese Fragen – mit einer Maske vor dem Gesicht. Doch wenn Armin zu seiner Persönlichkeit gefragt wird, wird er nur ratlos. Die Personalverantwortlichen aber auch. Armins naive Nachfragen bringen sie völlig aus dem Konzept. „So geht das nicht!“ sagen sie mehr zu sich als zu ihrem Gegenüber. Sie beten ihre Fragen herunter, aber sie verstehen sie nicht. Hochhäusler bietet damit ebenso brisante wie komische Beobachtungen zu einem dominanten Trend der Zeit. In Wirtschaftsunternehmen fahnden alle nach der Persönlichkeit. Die Vermarkter erstellen auf dieser Basis Kundenprofile und entwickeln ‚bedürfnisgerechte‘ Produkte, die Personalverantwortlichen wollen wissen, wie die Mitarbeiter ticken, um sie besser steuern und motivieren zu können. Aber zu sagen, was eine Persönlichkeit über bestimmte Hobbys und andere Vorlieben hinaus ausmacht, weiß niemand so recht.

Bild 6 zu Falscher Bekenner
Nichts ahnend lesen die Eltern über ihren Sohn in der Zeitung.

Einmal, nur einmal ist Armin ganz bei sich und teilt trotzdem die Welt mit den anderen: Als er einem Nachbarn erklärt, was an dessen Auto repariert werden muß. Hochhäusler, dem jede Schwarzweißmalerei fernliegt, läßt einen Moment der Utopie mitten im gewöhnlichen Leben aufblitzen. Der Nachbar ist glücklich, Armin ist´s zufrieden. Alles könnte so schön sein, gäbe es nicht die Familie, die ihre Besitzansprüche anmeldet. Denn der Vater ist entsetzt. Er nähert sich den beiden, als ob er sie bei einer unmoralischen Handlung ertappt hätte. Mit einem herrischen: „Armin? Kommst du?“ ruft er seinen Sohn von dem einzigen Platz ab, an dem er richtig wäre. Vielleicht, weil die Eltern ihn für ihre Zwecke brauchen?

Bild 7 zu Falscher Bekenner
Die Mutter braucht Armin für ihre Libido.

Diese Zwecke haben mit Armins Selbständigkeit wenig zu tun haben, aber dafür viel mit einer Art von seelischem Mißbrauch. Die Familie ist neben den ‚Personalern‘ die zweite böse Macht in dem Film, denn auch sie ist auf ‚Seelenfutter‘ aus. Armin bildet eine Art emotionales Wiederaufladegerät für eine fade gewordene Ehe, wenn sich die Mutter beim gemeinsamen Spaziergang vom Vater löst und mit einem koketten: „Dann gehe ich eben mit Armin“ bei ihrem Sohn einhakt. Eine buchstäblich im Vorbeigehen erhaschte Wahrheit über den Gefühlshaushalt mancher Mittelschichtsfamilie. Noch einmal zurück zum Vater, wie er auf Armin und den Nachbarn zugeht: Er hat einen furchtbaren Blick. Einen Straf-und Kontrollblick. Den dosiert Darsteller Manfred Zapatka so fein und eigentümlich, daß keine Verwechslung mit den Blicken anderer Väter, die Zapatka schon verkörpert hat, möglich ist. Die Kamera begleitet lange den sich nähernden Vater und seinen Blick. Daß diese Kamerafahrt als exaktes Gegenstück zur Eröffnungsszene mit Armin auf der Autobahnauffahrt komponiert ist, gehört zu den Glanzleistungen des Films. Zu einer der vielen.

Fazit:


Die „Cahiers du Cinéma“, die angesehenste Filmzeitschrift der Welt, zählt Christoph Hochhäusler bereits zu den ganz großen Talenten der „nouvelle vague allemande“, der neuen deutschen Welle im Kino. Constantin von Jascheroff erhielt für seine Rolle des Armin Steeb in „Falscher Bekenner“ den Darstellerpreis der Hypovereinsbank. Jetzt ist das Publikum an der Reihe, diese eindrucksvolle Kombination aus eindringlicher Charakterstudie und dramatischer Satire auf unsere Gegenwart kennen und schätzen zu lernen. Doch glauben wir, daß Hochhäusler noch viel Entwicklungspotenzial hat. Nur deshalb geben wir seinem Film vier statt fünf Filmklappen.
 

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Userbewertung:

Autor:

Andreas

Eingetragen am:

01.03.2006

Aufgerufen:

7510 Mal

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