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Der Wilde Schlag meines Herzens

 

De battre mon coeur s`est arrete, 2005

 
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deutscher Start:2005
Herstellungsland:Frankreich
Regie:Jacques Audiard ("Sur mes lèvres")
Drehbuch: Jacques Audiard, Tonino Benacquista
Darsteller:Romain Duris, Niels Arestrup, Jonathan Zaccaï u.a.
Verleih:

Concorde
Genre:

Drama
Länge:107 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Website:

Link nicht vorhanden

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Inhalt:


Tom (Romain Duris, „L`Auberge espagnole - Barcelona für ein Jahr“) ist 28 und wie sein Vater im Immobiliengeschäft tätig. Seine Methoden sind halbseiden, sein Vorgehen oft brutal. Zufällig trifft er eines Tages den ehemaligen Konzertagenten seiner Mutter wieder, der ihn ermutigt, an einem Klaviervorspiel teilzunehmen.

Bild 1 zu Der Wilde Schlag meines Herzens
Nackte Hingabe an das Klavier: Tom (Romain Duris) beim nächtlichen Üben...

Versessen bereitet sich Tom mit Hilfe einer jungen asiatischen Pianistin auf den Termin vor. Hin- und Her gerissen zwischen seinen Ambitionen als Musiker und seiner Existenz am Rande der Legalität, wird ihm bewußt, daß sich seine unterschiedlichen Lebensstile nicht länger miteinander vereinen lassen. Tom muss eine Entscheidung treffen...

Kritik:


Als diese Zeilen geschrieben wurden, stand der Ausgang der Bundestagswahl noch nicht fest. Aber wer immer auch gewonnen hat: In den nächsten vier Jahren dürfte von allen mehr Leistung verlangt werden, ohne daß sicher ist, ob dafür auch mehr zu bekommen ist. Perfekt in die Landschaft nach der Wahl paßt ein Drama über einen Menschen, der das Maximum von sich fordert und alles aus sich herausholt, um sein Ziel zu erreichen. So einen spielt Romain Duris mit dem zwielichtigen Tom. Allerdings strebt Tom nicht nach der ersten Million, sondern nach einer Karriere als Konzertpianist. Was er unternimmt, tut er in erster Linie für seine persönliche Entwicklung. Ohne Gedanken an materielle Vorteile und ohne anderen Menschen zu schaden – im Gegenteil. „Der wilde Schlag meines Herzens“ kann Heerscharen von Motivationstrainern ersetzen. Selten gab es einen Film, aus dem so viele Menschen für sich lernen können. Nicht nur die, die unbedingt den hochdotierten Job ergattern wollen, sondern auch die, die einfach ihr Leben ändern möchten. Die wegkommen wollen vom Wehklagen und Jammern, wozu wir Deutschen ja angeblich eine große Neigung verspüren sollen.

Bild 2 zu Der Wilde Schlag meines Herzens
…und mit seinen Spießgesellen: Wir machen alle Zimmer frei!

Mit Tom wird jemand gezeigt, bei dem das gesteckte Ziel und die Voraussetzungen, um es zu erreichen, ziemlich weit auseinanderklaffen. Sicher, er bekam durch seine Mutter die Liebe zur Musik gewissermaßen in die Wiege gelegt. Doch das Talent ist verschüttet. Auch wenn seine großzügige, aber düstere Wohnung ein Klavier und eine bombastische Hifi-Anlage enthält, die ihm erlauben würden, die Klangwelten der klassischen Musik präzise zu reproduzieren. Aber eigentlich ist Tom, der in seiner Kindheit Klavier gespielt hat, schon viel zu alt für eine Pianistenkarriere. Und längst halb auf die schiefe Bahn geraten, was es erlaubt, den Film aus Sicht des Verleihs irgendwie dem Genre Thriller zuzuordnen.

Bild 3 zu Der Wilde Schlag meines Herzens
Toms Vater (Niels Arestrup): Ganz schön kaputt und aufgeschmissen...

Mit dubiosen Partnern ist Tom im hektischen Immobiliengeschäft tätig, was im Klartext heißt: Ratten aussetzen, Strom und Wasser abdrehen, um bemitleidenswerte Obdachlose oder auch ganz normale Mieter aus Wohnungen zu vertreiben, auf die reiche Geschäftsleute ihr begehrliches Auge geworfen haben. Wahrlich kein schöner Job, aber überzeugend wird Tom von Romain Duris als charmanter und brennend ehrgeiziger junger Mann dargestellt, der mit solchen Deals seinen autoritären Vater (Niels Arestrup) beeindrucken will. Der war mal ein mächtiger Immobilienhai, hat aber zunehmend Schwierigkeiten, die Mieten einzutreiben und entwickelt sich für seinen Sohn zum Sorgenkind. Als sich der Alte mit der russischen Mafia einläßt, kann der Junior nicht mehr viel für ihn tun. Außer mit liebenswürdiger Hartnäckigkeit und frech-triumphierender Jugendlichkeit im Wellness-Bereich eines Luxushotels die lange vernachlässigte Freundin des russischen Gangsters zu verführen.

Bild 4 zu Der Wilde Schlag meines Herzens
…wenn Tom nicht als Küchenmeister säumigen Zahlern Feuer machen würde.

Vor über zehn Jahren haben Michel Piccoli und Emmanuelle Béart in „Die schöne Querulantin“ Pose für Pose, Pinselstrich für Pinselstrich minutiös und erotisch knisternd die Entstehung eines Kunstwerks vorgeführt. Dieselbe intime und kenntnisreiche Versenkung in die Konfliktlagen des schöpferischen Menschen gelingt erst wieder in „Der wilde Schlag meines Herzens“. Dabei holt Jacques Audiard, Regisseur und Co-Autor, durch die Wahl seines Helden und dessen kriminellen Verstrickungen die hohe Kunst vom Sockel und verpflanzt sie in die Gosse. Zu einem hartgesottenen Typen wie Tom. Die Beschäftigung mit Kunst aber wird zu einem Bild dafür, an sich selbst zu arbeiten, um sich ein paar Zentimeter über den Dunstkreis seiner bisherigen Existenz erheben zu können. Für Tom heißt das: Weg vom monotonen Alltags-Rhythmus des Elektropop, der seine hypernervösen Streifzüge durch die Straßen von Paris dumpf auf Schritt und Tritt über das Headset begleitet. Die erste Lektion lautet: Sich der Disziplin unterwerfen. Tom weiht sich mit jeder Faser seines Körpers den Bewegungsabläufen, die die komplizierten Bach-Stücke, die er vorspielen will, von ihm abfordern. Den richtigen Ton zu verfehlen, aus dem Takt zu kommen, bereitet ihm Schmerzen, die ein entsprechendes Geheul zur Folge haben.

Bild 5 zu Der Wilde Schlag meines Herzens
Bach? Die Toccata? Das kann doch nicht so schwer sein!

Die zweite Lektion: Sich die besten zum Vorbild nehmen. Stundenlang hört Tom nachts die Probenaufnahmen seiner Mutter, die Partitur mit ihren Notizen auf seinen Knien. Im Fernsehen schaut er sich an, wie große Pianisten ihre Finger zu „Rennpferden“ trainieren. Doch – und auch das ist ein Zug der Zeit – am besten lernt man von China: Miao-Lin (Linh-Dam Pham), eine junge Konservatoriums-Studentin aus dem Reich der Mitte, die Tom vom Können her haushoch überlegen ist, gibt ihm Unterricht. Der Film käme allerdings nicht aus Frankreich, hätte nicht Tom als Vertreter der Grande Nation auch etwas zu lehren: In den Pausen zwischen den Etüden bringt er Miao-Lin nicht nur Französisch bei, sondern korrigiert auch die englische Aussprache, die sie den Wörtern unwillkürlich gibt.

Bild 6 zu Der Wilde Schlag meines Herzens
Tom (Romain Duris) trinkt nicht nur feste, er spielt auch auf jedem Tresen Klavier.

Das Geniale des Films ist, daß Tom in seiner ganzen Widersprüchlichkeit fesselt, aber nie zur bloßen Projektionsfläche für unerfüllte Wünsche eines Regelbrecher-Lebens wird. Das intime Verhältnis der Handkamera zur Hauptfigur verhindert dies. Die Handkamera, mit der „Der wilde Schlag meines Herzens“ gänzlich gefilmt ist, klebt so dicht an Tom, oft auch in seinem Nacken, daß wir oft nur die Empfindung haben, daß er etwas sieht, aber nicht was oder auf welche Weise. Das hüllt Tom in eine geheimnisvolle, unzugängliche Sphäre und erzeugt Spannung. Man sehnt sich geradezu danach, mehr erkennen zu dürfen, ohne das Verschwimmen der Umgebung, Dunkelheit, Ruckeln oder den engen Bildausschnitt irgendwie als Mangel zu empfinden. Romain Duris spielt dabei Tom mit einer Verve, die keine Sekunde Langeweile aufkommen läßt. Nur wenn sich Duris übers Gesicht fährt, um den Übergang von einer Stimmung zur anderen zu ebnen, entsteht der Eindruck von Masche oder Schematismus. Im Übrigen gibt Duris mit Tom erfolgreich einen romantischen Held par exellence, der sich dem Diktat des Augenblicks überläßt, gerade wenn es um Frauen geht. Frech, impulsiv, draufgängerisch, blasiert, liebenswürdig, brutal, charmant. Dabei immer öfter Tonabfolgen mit den Lippen nachahmend oder die Finger manisch über unsichtbare Tastaturen gleiten lassend – Romain Duris durchlebt alle Facetten von Tom.

Fazit:


„Der wilde Schlag meines Herzens“ lohnt sich für alle, die an sich arbeiten wollen, die überhaupt etwas wollen und sich einer Sache voll und ganz hingeben können. Der Film hat zwar Thriller-Elemente, handelt aber vor allem von der Kunst und ist selbst eine Art ruppiges Kunstwerk – mit der Performance von Romain Duris in der Hauptrolle als Sahnehäubchen. Romain Duris: Den Namen wird sich bald niemand mehr merken müssen – er wird auch hierzulande in aller Munde sein.
 

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Userbewertung:

Autor:

Andreas

Eingetragen am:

23.09.2005

Aufgerufen:

7919 Mal

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