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 | Der Kaufmann von Venedig |  | | |
The Merchant of Venice, 2004 | |
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| deutscher Start: | 2005 | | Herstellungsland: | Großbritannien/Italien/Luxemburg/USA | | Regie: | Michael Radford ("Il Postino") |
| Drehbuch: |
William Shakespeare, Michael Radford |
| Darsteller: | Al Pacino, Jeremy Irons, Joseph Fiennes u.a. | | Verleih: | Sony Pictures | | Genre: | Drama/Komödie | | Länge: | 131 Minuten | | FSK:
| ab 12 Jahren |
| Website: | Link aufrufen | | Günstig DVD, Video, Buch oder Soundtrack zu "Der Kaufmann von Venedig" | 
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Inhalt:
Venedig, Ende des 16. Jahrhunderts: Aus Freundschaft zu dem frisch verliebten, aber hoch verschuldeten Aristokraten Bassanio (Joseph Fiennes) lässt sich Kaufmann Antonio (Jeremy Irons) auf einen ungewöhnlichen Handel mit dem jüdischen Geldverleiher Shylock (Al Pacino) ein. Für einen Kredit von 3.000 Dukaten bürgt Antonio, der sich baldiger Einnahmen durch ausgelaufene Handelsschiffe sicher ist, mit einem Pfund seines eigenen Fleisches. Mit diesem Geld kann Bassanio jetzt angemessen um die Hand von Portia (Lynn Collins), der reichen Erbin von Belmont, werben.
Ihrem Glück im Wege stehen drei Schatullen und ein Pfund seines Freundes.
Die Schönheit und ihr Verehrer lieben sich, doch der Besiegelung des Glücks steht eine Klausel von Portias verstorbenem Vater im Wege. Nur den darf Portia heiraten, der aus drei verschlossenen Schatullen die richtige wählt, die ihr Bild enthält. Wie andere Bewerber aus ganz Europa, ja sogar Afrika, tritt Bassanio an, das Rätsel zu lösen. Während er dem Glück ganz nahe kommt, wird ein anderer davon verlassen. Antonio verliert auf See sein Vermögen, kann seine Schulden nicht begleichen. Jetzt sieht der verbitterte Shylock seine Stunde gekommen, sich für ein Leben der Demütigungen und Diskriminierungen zu rächen... |
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| Kritik:
Verfilmungen von Theaterstücken sind oftmals eine erfreuliche Angelegenheit, denn sie versprechen das schauspielerische Können entschieden in den Mittelpunkt zu tragen. Zudem darf man sich bei einer Shakespeare-Vorlage stets einer lyrischen Geschichte gewiss sein. Die Werke des englischen Dichters und Dramatikers William Shakespeare (1564-1616) werden schon seit über einem Jahrhundert auch in Filmform wiedergegeben. Die komplexen und genialen Werke der Weltliteratur wurden bereits in allen möglichen Variationen verfilmt und nur selten wurde die Filmumsetzung der Intensität der Vorlage gerecht. „Der Kaufmann von Venedig“ gilt als eines der kontroversen Stücke Shakespeares, da einige Interessensgruppen dem Werk eine christlichgefärbte, befürwortende Haltung bezüglich Antisemitismus unterstellen. Dies eine Problematik, die sich nach späteren historischen Ereignissen als ein typischer Hetzaffront abzeichnet, woraus man Shakespeare natürlich keinen Vorwurf anlasten darf. Venedig war dazumal eine der seltenen multikulturellen Handelsstädte und der Glaubenskonflikt ließ die Juden zu Geschmähten und Unterdrückten heranwachsen. Sie lebten in abgetrennten Ghettos und waren in ihren Persönlichkeitsrechten schwerwiegend eingeschränkt. So hatten sie nur tagsüber Zugang zur Stadt und mussten eine auffällige rote Kappe tragen, die sie eindeutig als minderwertig brandmarken sollte. Aus der Handlung - so empfinde ich - entweicht eine raffiniert verpackte Gesellschaftskritik mit einer unterschwelligen Anspielung auf den imperativen Machtübergriff des Christentums. Das reizvolle an der Geschichte ist, dass sie sich kein offensichtliches Urteil vorlegt, sondern eine vielschichtige - im Grunde aber einfache - Unterhaltungsgeschichte erzählt, die man unterschiedlich interpretieren darf.
Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste was es gibt auf der Welt,...
Bei der Inszenierung von „Der Kaufmann von Venedig“ benötigt man einen Regisseur, der aus einer klassischen Theaterkomödie (bühnenmäßige Gestaltung komischer und dramatischer Unterhaltung mit „heiterem“ Ausgang) eine visuell ansprechende und ausgeglichene Atmosphäre schaffen kann, um das Bühnenstück in moderater Modernität einzufangen, ohne dass eine überladene Photographie Überhand nimmt. Michael Radford („Il Postino“, B. Monkey“, „Dancing at the Blue Iguana“) kommt dieser Aufgabe sehr gewissenhaft nach und inszeniert keine aufgepeppte Shakespeare-Adaption, sonder bleibt der Vorlage im Rahmen der Möglichkeiten und des Zeitgeistes vorbildlich wortgetreu. „Der Kaufmann von Venedig“ hat zwei Hauptschauplätze, die Radford symbolisch optimiert: Venedig erscheit durch sein originalgetreues Ambiente glanzlos und kummerbeladen, wogegen der Landsitz Belmont als glitzernde Oase einer „jungfräulichen“ Gesellschaft wirkt. Der Film lebt durch die phantasievollen Bilder, die gelungenen Dekors - barbusige Prostituierte inklusive -, die beschwingende Score sowie natürlich die Schauspielerei, welche die Shakespearischen Dialoge zum Besten gibt. Die Sorgfalt des Regisseurs sowie die Starbesetzung ergibt eine audiovisuell ausgereifte Portierung eines klassischen Bühnenschauspiels auf massentaugliches Kinoformat.
Shylock besteht auf die korrekte Ausführung des venezianischen Rechts.
Mit Al Pacino ("Serpico", "Scarface", "Carlito`s Way", "Heat", "Donnie Brasco") in der Rolle des jüdischen Geldverleihers Shylock steht einer der fähigsten Schauspieler Hollywoods vor der Kamera. Pacino braucht solche Rollen, in die er sich hineinsteigern kann. Seine letzten Auftritte waren mehr Schatten seiner Selbst - was wohl vor allem an den Charakteren lag -, zuletzt noch in "Insomnia" konnte er überzeugen. Was danach kam, "S1m0ne", "People I Know", "Der Einsatz", würde ich mal vorsichtig ausgedrückt als Arbeit eines Routiniers bezeichnen (den Gastauftritt in "Liebe mit Risiko - Gigli", einem der schlechtesten Filme überhaupt, sollte man sowieso rasch vergessen). Er gehört mittlerweile auch schon zu den reiferen und bodenständigen Schauspieler und ist daher wie geschaffen für diese seriöse Rolle. Shylocks Charaktere besticht durch ihre wachsende unnachgiebige Boshaftigkeit, die einerseits hinsichtlich der Diskriminierungen nachvollziehbar wird, andererseits jedoch Shylock als rachsüchtige und blutrünstige Unmoral darstellt. Pacino gelingt eine imposante Darbietung, ohne zu dick aufzutragen - bei Shylocks weltbekanntem Monolog -: „Er hat mich beschimpft, mir ´ne halbe Million gehindert; meinen Verlust belacht, meinen Gewinn bespottet, mein Volk geschmäht, meinen Handel gekreuzt, meine Freunde verleitet, meine Feinde gehetzt. Und was hat er für Grund! Ich bin ein Jude. Hat nicht ein Jude Augen? Hat nicht ein Jude Hände, Gliedmaßen, Werkzeuge, Sinne, Neigungen, Leidenschaften? Mit derselben Speise genährt, mit denselben Waffen verletzt, denselben Krankheiten unterworfen, mit denselben Mitteln geheilt, gewärmt und gekältet von eben dem Winter und Sommer als ein Christ? Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht? Wenn ihr uns kitzelt, lachen wir nicht? Wenn ihr uns vergiftet, sterben wir nicht? Und wenn ihr uns beleidigt, sollen wir uns nicht rächen? Sind wir euch in allen Dingen ähnlich, so wollen wir`s euch auch darin gleich tun. Wenn ein Jude einen Christen beleidigt, was ist seine Demut? Rache...“ - zeigt er eindrucksvoll sein ganzes Talent.
Chose wisely... - Wer die Wahl hat, hat die Qual.
Shylock ist mit Abstand die eindringlichste Erscheinung in "Der Kaufmann von Venedig". Dagegen sind die soliden Leistungen von Jeremy Irons ("Kafka", "Chinese Box", "Callas Forever", "Being Julia") und Joseph Fiennes ("Shakespeare in Love","Enemy at the Gates", "Luther") bedingt unspektakulär, allerdings sind auch ihre Charaktere nicht ganz so ausgeprägt wie die des Shylock. Aber auch in den entscheidenden Momenten vermag keiner Pacino wirklich das Wasser zu reichen und Shylock rückt mehr noch als in der Vorlage in den Mittelpunkt: Zum einen da Pacino mehr aus seiner Rolle heraussticht und zum anderen sich das filmische Konzept merklich auf Pacino als Frontmann stützt. Dennoch gibt es eine überraschende Entdeckung: Lynn Collins, bisher lediglich ein Comedy-Anhängsel in Filmen wie „30 über Nacht“ oder „"50 Erste Dates“, zeigt verblüffend, dass sie mehr kann, als ihr ein leicht voreingenommener Kritiker zugetraut hätte. Der stimmige Gesamteindruck ist über alle Zweifel erhaben, denn alle Akteure harmonieren durchwegs. Joseph Fiennes scheint gar für die Rollen des edel-charmanten Herzensbrecher des 16 Jahrhunderts und der Renaissancezeit anbetrachts seiner Laufbahn prädestiniert zu sein.
Ein selbstgeschnittenes Pfund Bassanio zum Mitnehmen, bitte schön.
Die Geschichte ist inhaltlich aufgrund der Vorlage natürlich unbestritten meisterhaft ein Kunstwerk durch Tiefsinnigkeit, Grazie und Finesse in Heiterkeit, Dramatik sowie Romantik. Die Verfilmung verwendet die altertümliche Sprache mit den erwarteten Kürzungen; bleibt aber durch die Sorgfalt bei der Adaption der Texte eine vorbildliche Umsetzung, welche durch die Starbesetzung und die prächtige Inszenierung auch bei Shakespeare-Laien Interesse wecken dürfte. Allerdings könnte diese Gradlinigkeit auch als mangelnde Innovation gedeutet werden, denn sicherlich hätte eine eigenständigere Verfilmung mit einer entsprechenden individuelleren Note des Regisseurs der Vorlage nicht geschadet - Zu Viele sind jedoch schon an diesem risikobehafteten Versuch gescheitert, indem sie Shakespeares Werke mehr veruntreuten als innovativ anreicherten. Deshalb bin ich persönlich sehr zufrieden, obschon auch nicht über alle Massen - abgesehen der Vorliebe zum Originaltext fehlt aus cineastischer Sicht an einigen Stellen das berühmt-berüchtigte "Gewisse Etwas". Trotzdem: Pacino hält das Ruder fest in den Händen und gondelt in der Lagunenstadt einer sicheren Anlegestelle entgegen. |
| | Fazit: Michael Radfords Verfilmung von Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig" erscheint als ausgereifter Kompromiss zwischen altehrwürdiger Vorlage und modernen Kinoansprüchen - an manchen Stellen womöglich zu akkurat dem Verlauf folgeleistend, aber allein wegen Al Pacino sehenswert. |
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