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Das Imperium der Wölfe

 

L`Empire des loups, 2005

 
Poster zu 'Das Imperium der Wölfe' kaufen
deutscher Start:2005
Herstellungsland:Frankreich
Regie:Chris Nohan („Kiss of the Dragon“)
Drehbuch: Jean-Christophe Grangé
Darsteller:Jean Reno, Arly Jover, Jocelyn Quivrin u.a.
Verleih:

Columbia Tristar
Genre:

Action/Drama/Thriller
Länge:128 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Website:

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Inhalt:


Anna Heymes (Arly Jover), die Frau eines hohen Beamten des französischen Innenministeriums, hat panische Angst. Aus unerklärlichen Gründen hat sie verstörende Wahnvorstellungen und erkennt plötzlich ihren eigenen Mann nicht mehr. Die Diagnose der Spezialisten ist eindeutig: Anna leidet unter akutem Gedächtnisverlust. Angeblich. Denn als sie gegen den Willen ihres Mannes herauszufinden versucht, wer sie wirklich ist, gelangt sie zu einer furchtbaren Erkenntnis...

Bild 1 zu Das Imperium der Wölfe
Anna (Jover) versucht im buchstäblichen Sinne ihr eigenes Ich zu finden.

Zur gleichen Zeit, fernab von Annas Welt der Pariser Oberschicht, spielt sich im Sentier, dem überwiegend von Türken bewohnten Viertel, ein anderes Drama ab: Drei rothaarige Frauen wurden auf bestialische Weise getötet. Die Tat eines wahnsinnigen Ritualmörders? Der junge Kommissar Paul Nerteaux (Jocelyn Quivrin) bittet den skrupellosen Ex-Bullen Schiffer (Jean Reno), der sich bestens mit den kriminellen Strukturen im Viertel auskennt, um Hilfe. Bei ihren gemeinsamen Ermittlungen wird den ungleichen Kollegen bald klar, dass der Killer im Auftrag einer mysteriösen Organisation handelt, die sich die „Grauen Wölfe“ nennt. Und die haben es auf eine ganz bestimmte Frau abgesehen: Anna...

Kritik:


Keine Nation der Erde kann ein Filmgenre für sich pachten. Wer will also den Franzosen verdenken, daß sie ihre eigenen Vorstellungen haben, wie Thriller über Serienkiller jenseits des Hollywood-Codes aussehen können. Für die Genreinnovationen unseres Nachbarlandes sollte gerade das deutsche Publikum dankbar sein. Mit „Das Imperium der Wölfe“ beweist die Grande Nation des Kinos einmal mehr, daß sie sich nicht das Psychopathen-Gelaber à la Clarice Starling und Hannibal Lecter aufs Baguette streichen will, sondern eine eigene Sauce zubereitet. Zwar kann der zweite abendfüllende Spielfilm von Regisseur Chris Nahon – nach dem fulminanten „Kiss of the Dragon“ – nicht an die Glanzleistung des historisch angelegten Serienkillerfilms „Der Pakt der Wölfe“. Aber gegenüber den „Purpurnen Flüsse“, denen ein bemitleidenswertes Sequel folgte, markiert „Das Imperium der Wölfe“ einen großen Fortschritt in Richtung auf ein französisches bzw. sogar europäisches Serienkillerfilm-Genre.

Bild 2 zu Das Imperium der Wölfe
Die Ermittlungen führen Schiffer (Reno) in das Pariser Türckenviertel Senier.

Wodurch zeichnet sich „Das Imperium der Wölfe“ als exception francaise, als französische Ausnahme, gegenüber Serienkiller-Filmen aus Amerika aus? Zunächst einmal durch den weitgehenden Verzicht auf individuelle Psychologie als Erklärungsmuster für die Handlungen der dargestellten Personen. Wenig Wert gelegt wird auch auf eine stringente Story. „Das Imperium der Wölfe“ ist da so sprunghaft wie die Fortsetzungen erschienenen, bald schauerlichen, bald romantischen Großstadt-Abenteuerromane von Balzac und Sue, die der Film als Inspirationsquellen für seine diabolischen Gestalten und gespenstischen Unterwelt-Locations anzapft. Im übrigen konzentriert sich „Das Imperium der Wölfe“ auf kulturelle, politische und soziale Konfliktpotentiale als Auslöser von Gewalt und Terror, ohne jedoch der Versuchung nachzugeben, über die Probleme der Welt zu dozieren. Vor allem aber bevorzugt der Film das Erzählen mit Hilfe von Gesichtern und Stimmungen. Sie bestimmen die Handlung, deren Pfade sich unvorhersehbar verzweigen können und in spannende Überraschungen münden. Insbesondere beim blutig-bleihaltigen Showdown im Hauptquartier der Grauen Wölfe in der Türkei.

Bild 3 zu Das Imperium der Wölfe
Schiffer ist hart im Nehmen und durch Nichts zu stoppen!

Wie radikal der Bruch mit dem amerikanischen Erzählkino tatsächlich ist, den „Das Imperium der Wölfe“ fortdreht, zeigt ein Vergleich mit der Motivpsychologie von „Schweigen der Lämmer“, das alle kennen dürften. Über die „backstory wound“ von Clarice Starling wurde bereits viel Tinte vergossen: Papa Bulle ist tot, die Lämmer sind tot – seitdem ist mein Herz in Not! Damit sie ihr Trauma loswird, muss sie endlich einmal das potentielle Opfer eines Gewaltaktes retten. Das gelingt. Fürderhin ist ihr Seelenheil garantiert. Dagegen hat Anna Heymes, die eigentliche Hauptfigur von „Das Imperium der Wölfe“, keine Entscheidungsmacht darüber, ihr Leben zum Guten zu wenden, was sicherlich die Situation der meisten Frauen in fast allen Gesellschaftsformen dieser Welt reflektiert. In der Großbürger-Ehe mit Laurent (Philippe Bas) leidet sie unter Halluzinationen, die ihr den Gatten und seinen Bekanntenkreis als rohe Fleischklopse erscheinen lassen. Doch alles wird noch schlimmer, als sie entdeckt, daß sie eigentlich eine kickboxende anatolische Drogenkurierin namens Sema ist, deren Erinnerung und Gesicht ausgetauscht wurden. In der einen wie in der anderen Situation ist sie außerstande, eigenverantwortlich zu handeln, sondern bloß getrieben von Mächten, die sie zu dem gemacht haben, was sie ist und ihre Definitions- und Verfügungsgewalt in ihren Körper eingeschrieben haben. Wer oder was Anna ist, bestimmen andere. Der Neurophysiologe, der an Semas Gedächtnis herumgefummelt hat, um aus ihr Anna und dann irgendwann eine Kampfmaschine zu machen. Das Innenministerium, das ihm die Anordnung dazu gab. Die Psychiaterin und der Biologe, die Anna bei der Klärung ihrer Identität helfen. Der Schönheitschirurg, der Sema zu einem neuen Gesicht verloren hat. Der Patriarch der Grauen Wölfe, der Sema/Anna einst als sein Ziehtochter ausersah.

Bild 4 zu Das Imperium der Wölfe
Selbstfindungstrip durch kühle Forschungsanlagen, inkl. Arzt und Psychiater.

Wenn in „Das Imperium der Wölfe“ die Haut aufgeritzt wird, kommt nicht ein Seelendrama der polizeilichen Ermittler oder der Opfer der Gewaltverbrechen zum Vorschein, sondern – ein fremd erscheinendes kulturelles und soziales Mikrosystem. Sei es das der staatstragenden französischen Bourgeoisie, die in düsteren Palästen konspiriert, sei es das der türkischen Terrorgruppe Graue Wölfe, deren langer Arm bis in die Migrantenviertel von Paris reicht. Den Übergang von einem Milieu ins andere zeigt Nohan stets als Schock und Gewaltakt, empfunden am eigenen Körper. So wie sie Anna widerfahren, wenn sie Spuren ihrer früheren Identität als Drogenkurierin Sema an sich entdeckt.

Bild 5 zu Das Imperium der Wölfe
Anna sucht an sich Spuren geheimer Operationen – und wird fündig.

Beim Abtasten ihres Gesichtes nach dem Duschen stößt Anna hinter dem Ohr auf Nähte, wie sie gesichtschirurgische Operationen hinterlassen. In perfektem Timing hält Nohan den Moment absoluter Identitätsinstabilität in der Schwebe endlos ineinander geschachtelter Reflexe des Badezimmerspiegels, ehe eine orkanhaft gefilmte Verfolgung Annas durch die Geheimpolizei einsetzt. Auch dabei bietet „Das Imperium der Wölfe“ Körperkino in extremis. Treten, Fingerabschneiden, Abknallen und Aufschlitzen in den Actionszenen sind nicht sauber choreographiert wie in Nohans brillantem Actionfilm „Kiss of the Dragon“, sondern schmuddelig, grell und abgehackt, wie es dem Charakter solcher Auseinandersetzungen entspricht.

Bild 6 zu Das Imperium der Wölfe
Bei dem Profil liegt die Idee, Schiffer könnte auch einer der Wölfe sein, nah.

Nicht nur konzeptionell, sondern, das ist ja viel wichtiger, vor allem auch visuell ist „Das Imperium der Wölfe“ in seiner Abgrenzung vom Mainstream-Thriller in Hollywood-Manier schlüssig aufgebaut. Daß fast niemand im Film der ist, der er zu sein vorgibt, ist so frappierend, weil Regisseur Nohan seinen Darstellern eine gewisse Ungepflegtheit verordnet hat. Nahaufnahmen von Hautporen, Drei-Tage Bärten, Narben im Gesicht, ungekämmte bis zottelige Haare sind meist Garanten dafür, daß die Figuren authentisch sind. Doch hier wird dieses Versprechen von den verblüffenden Wendungen der Handlung Lügen gestraft. Die Personen treiben in einem Strom der Verwandlungen. Unerschöpfliche Regengüsse sind dafür ein ebenso einfaches wie effektives Leitmotiv. Der Film erhält dadurch nicht nur endlos nuancierte Grautöne, die düsterer als jedes Schwarz sind. Der permanente Regen – „Blade Runner“ war dagegen ein Schönwetter-Film! – läßt auch nichts so, wie es ist. Nicht einmal die Wahrnehmung des Zuschauers.

Bild 7 zu Das Imperium der Wölfe
Der eigentliche Held des Films? Der junge Polizist Nerteaux (Qivrin).

Ein schönes Beispiel ist dafür eine scheinbar nebensächliche Einstellung. Sie zeigt Nerteaux und Schiffer im Gespräch in ihrem Auto. Wir blicken von außen durch das Seitenfenster, über das das Regenwasser läuft. Der Metallrahmen des Seitenfensters ist außerhalb des Bildes. Dadurch kommt ein Gefühl des Irrealen auf. Die Gesichter verschwimmen, verschwinden hinter den Wasserfäden. Das Regenwasser hört aber auch auf, Regenwasser zu sein, und scheint zu etwas anderem zu werden – zu einer Rinde oder einer Haut. Das dauert nur Sekunden, erzeugt aber eine starke Atmosphäre fundamentaler Unsicherheit. Wie der ganze Film.

Fazit:


Nach „Der Pakt der Wölfe“ und „Die purpurnen Flüsse“ ist „Das Imperium der Wölfe“ ein weiterer Versuch, ein eigenständiges europäisches Serienkillerfilm-Genre unter populärästhetischer Vorherrschaft Frankreichs zu erschaffen. Wenngleich nicht perfekt, markiert die zweite Verfilmung eines Bestsellers von Jean-Christophe Grangé doch eine wichtige Etappe zu diesem Ziel. Wer für die Reize von „Das Imperium der Wölfe“ offen sein will, muss allerdings zuvor Sehgewohnheiten über Bord werfen, die durch amerikanisches Genrekino antrainiert sind. Und bereit sein, in eine düstere, dampfende und dumpfe Unterwelt hinab zu steigen, deren Bewohner – die allenfalls Schatten von Menschen sind - mit unfehlbarer Sicherheit ihren niedersten Instinkten gehorchen. Unter solchen Bedingungen schmeckt jede Art von Popcorn salzig.
 

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Userbewertung:

Autor:

Andreas

Eingetragen am:

13.08.2005

Aufgerufen:

20334 Mal

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